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Stand: 18.02.07 
Demnächst: Wie bei
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Schornsteinfeger

 


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Kehren ohne Sinn?

Wenn der Schornsteinfeger zweimal klingelt

Kontroverse um Immissionsschutzmessungen / MdL Brechtken will's einfacher / Heizungsbauer: doppelte Prüfung okay

Waiblingen (wtg).
Beim Auto ist's ganz einfach: Die Werkstatt testet die Abgaswerte, stellt, falls nötig, den Motor neu ein und erteilt anschließend das amtliche Okay. Bei Heizungsanlagen ist's komplizierter - und doppelt teuer. Hat der Messwert nicht gestimmt, kontrolliert der Schornsteinfeger nach der Reparatur durch einen Fachbetrieb ein zweites Mal - und kassiert. Ob's einfacher und billiger geht, ist umstritten.

Schornsteinfeger

Der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Brechtken schlägt vor, dass künftig die Heizungsbetriebe die Reparatur einer bemängelten Heizungsanlage selbst bestätigen. Eine zweite Immissionsschutzmessung durch den Schornsteinfeger werde somit überflüssig. Auf den ersten Blick müsste der Vorschlag bei den Betrieben der Innung für Sanitär, Heizung und Klima Begeisterung auslösen: aber weit gefehlt. Obermeister Hartmut Maier kennt seine Pappenheimer. "Wenn diese Kontrollen abgebaut werden, bekommen wir Riesenprobleme", befürchtet er und sieht die Zukunft der Immissionsschutzmessungen auch weiterhin in der Ko- Partnerschaft mit den Kaminfegern. "Die Kontrollen durch unabhängige Dritte sind in Ordnung", sagt Maier. Der hohe Umwelt- und Sicherheitsstandard in Deutschland dürfe nicht gefährdet werden: "Da kommt's auf ein paar Mark nicht an." Wenn schließlich irgendwann ein Unfall passiert, gibt Obermeister Maier zu bedenken, sei der öffentliche Aufschrei groß. Kontrollen sei Dank, passiere aber in Deutschland recht selten ein schlimmer Unfall. Und so solle es auch bleiben.

Dass die Schornsteinfeger die zweite Immissionsschutzmessung beibehalten wollen, liegt dagegen auf der Hand. "Nur der Schornsteinfeger ist objektiv und erfüllt flächendeckend die Prüfungsaufgaben", erklärt Wolfgang Stoll, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Stuttgart mit Sitz in Waiblingen. Seit 25 Jahren überwachen die Schornsteinfeger gemäß der ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (1.BImSchV) Öl- und Gasheizungen, die seinerzeit zunehmend den bis dahin dominierenden Brennstoff Kohle ersetzten. Jährlich werden über 6,4 Millionen Ölheizungen und mehr als acht Millionen Gasheizungen überprüft. Laut Innung überschritten im vergangenen Jahr 4,7 Prozent der Gas- und 5,5 Prozent der Ölheizungen die zulässigen Grenzwerte für den Abgasverlust. Darüber hinaus seien bei vier Prozent der ölbetriebenen Feuerstätten ein zu hoher Rußausstoß festgestellt worden. Die Reparatur habe nicht nur einen Effekt für die Umwelt, sondern nutze auch den Betreibern: Der Energieverbrauch geht zurück.

Die jährliche Messung der Kamine kostet 51,25 Mark. Stellt der Kaminfeger fest, dass zu viel Abgase in die Luft gepustet werden, ordnet er eine Wartung an und kommt nach sechs Wochen nochmals vorbei. Und wieder sind 51,25 Mark fällig.

Einmal zu viel, meint der SPD-MdL Rainer Brechtken und schrieb in dieser Angelegenheit schon öfters an den baden- württembergischen Umweltminister. Brechtken schlägt vor, dass "geeignete und zugelassene Fachfirmen" eine Heizung nicht nur warten, sondern zusätzlich noch Überwachungsmessungen nach den Vorschriften der Verordnung über Kleinfeuerungsanlagen (1.BImSchV) durchführen. Auf lange Sicht werde die gesamte Überwachung vereinfacht, weist Brechtken in einem Brief an den baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsminister auf Bestrebungen hin, den Paragraphen- und Verordnungsdschungel zu lichten. Selbst wenn zunächst erst einmal eine Menge neue Regelungen und Prüfkriterien gefunden werden müssten.

"Kostenerleichterungen ohne Nachteile für die Umwelt"

Die baden-württembergische Landesregierung hat sich ebenfalls schon der Hunderttausende Kamine im Land angenommen und eine Bundesrats-Initiative eingebracht. Allerdings will das Land nicht die Nachkontrolle durch den Kaminfeger abschaffen, sondern setzt bei den Überwachungsintervallen an. Die allerneuesten Öl- und Gasfeuerungsanlagen in Ein- bis Vierfamilienhäusern sollen nur noch im drei- beziehungsweise zweijährigen Turnus überprüft werden. Denn die modernen Heizungen zeigten "geringere Beanstandungsraten", argumentiert die Landesregierung. "Bei weniger Emissionsmessungen sind Kostenerleichterungen für die Betreiber möglich, ohne dass mit Nachteilen für die Umwelt gerechnet werden muss." Bis es so weit ist, wird der Kaminfeger noch des öfteren zweimal klingeln. Der Sprecher des Umweltministeriums rechnet erst in einem Jahr mit einem Bescheid über die Initiative.